News from 02.03.2010

Storopack entwickelt Isolierbox für Notfall-Spülstationen von Prevor

Ausrüstung für Extremsituationen

Metzingen. Bei einem Betriebsunfall mit chemischen Substanzen müssen Haut und Augen sofort behandelt werden. Deswegen ist die Spülstation von Prevor so konstruiert, dass Öffnen und Entnahme in Sekundenschnelle erfolgen. Diese Vorgabe erfüllt auch die neue, frostgeschützte Ausführung. In dem Behälter von Storopack ist der Inhalt leicht zugänglich und trotzdem dauerhaft vor äußeren Ein­flüssen geschützt. Frost bis -40 °C, feinste Stäube oder salziges Spritzwasser, nichts davon erreicht die Notfall-Spülung oder beeinträchtigt ihre Wirksamkeit.

 

Prevor leistet seit mehr als 50 Jahren Forschungs- und Entwicklungsarbeit für den sicheren Umgang mit Gefahr­stoffen. Der französische Spezialanbieter mit Stammsitz in Valmondois ist in rund 100 Ländern vertreten. Die Spülstation gehört zum Angebot im Bereich der Erste-Hilfe-Ausstattung. Es gibt sie mit der polyvalenten Spüllösung Previn für jede Art von Chemikalie oder mit Hexafluorine speziell für Flusssäure und ihre Derivate. Die Lösungen stoppen das Eindringen der Chemikalien in das Gewebe und die Entstehung von Verätzungen.

 

Da immer mehr Länder aktiv an der Weltwirtschaft teil­haben, steigt auch die Zahl der Industrieanlagen, die in Regionen mit extremen Witterungsverhältnissen liegen. Entsprechend wächst der Bedarf an Sicherheitsausrüs­tungen, die unwirtlichem Klima dauerhaft standhalten.

 

Für diesen Anwendungsfall hatte Prevor die Spülstationen bereits in einer frostgeschützten Version im Angebot. Allerdings wurde die Aufrechterhaltung des geforderten  Temperaturmittels von +5°C bis + 8°C fast ausschließlich durch ein eingebautes Heizgerät sicher gestellt. Der Behälter selbst bestand aus Thermo­plast ohne besonderen Kälteschutz.

 

Mit einer neuen Lösung aus isolie­rendem Kunststoff wollte das Unternehmen die Energiebilanz der Verpackung verbessern. Auch wenn das Heizgerät weiterhin notwendig ist, muss es seltener zugeschaltet werden. Als positiver Zusatzeffekt vereinfacht ein integrierter, passiver Kälteschutz die gleichmäßige Temperaturregelung.

 

Das Heizgerät besteht aus zwei geerdeten Blechen und einem selbstregelnden Heizkabel mit Raumthermostat. Bei Unterschreiten einer Temperatur von +5°C schaltet sich das Gerät ein. An den Kontakten der Bleche befindet sich ein Sicherheitsthermostat (50°C).

 

Aussehen und Innenaufteilung des Behälters durften sich nicht grundlegend verändern. Vertikal gibt es drei Halte­rungen, außen für die 500 ml Flaschen Previn oder Hexafluorine, in der Mitte für eine Flasche Afterwash (200 ml). Indem die Flasche mit dem Afterwash eine Griffebene hinter den Flaschen mit der Spüllösung liegt, sind Fehler in der Reihenfolge der Anwendung ausgeschlos­sen. Horizontal darunter ist eine Einsteckmöglichkeit, die entweder eine Sprühdose mit 200 ml Previn für kleinere Spritzer auf der Haut enthält oder, bei der Hexafluorine-Spülstation, eine Tube Kalziumglukonat Gel à 28 g zum Auftragen auf die Haut.

 

Der Entwicklungsauftrag ging an Storopack in Anetz (Frankreich). Die Molding-Experten hatten mit der Kon­struktion zwei Aufgaben zu lösen: erstens die Vorgaben der Gestaltung und Funktionalität zu erfüllen. Und zweitens eben diese Vorgaben in eine Form abzubilden, die sich kostengünstig herstellen lässt.

 

Als Werkstoff setzte das Team auf EPP (expandiertes Poly­propylen). Dieser Kunststoff erfüllt alle notwendigen Voraussetzungen. Er bietet eine sehr gute Wärmedämmung. Der Werkstoff wird nicht spröde. Er ist uv-beständig und unempfindlich gegenüber Wasser sowie den meisten Ölen und Chemikalien. Der Behälter kann Wind und Wetter ausgesetzt werden.

 

Weil es auf Schnelligkeit ankommt, bestand eine der wich­tigsten Aufgaben für Storopack in der Umsetzung des Öffnungsmechanismus. Die Behälter werden etwas über Schulterhöhe an der Wand montiert. Im Ernstfall soll die Spülstation mit einer einfachen Abwärtsbewegung ohne Kraftanstrengung zu öffnen sein. Der Griff funktioniert daher von oben nach unten. Er hat genügend Klemmkraft um das Gehäuse dicht verschlossen zu halten und ist dabei so geformt, dass eine Hand für die Betätigung genügt. Es gibt keine Griffmulde, weil sich darin Wasser sammeln könnte.

 

Ein weitere Herausforderung, was die richtige Dosierung der Materialspannung angeht, waren die Flaschenhalte­rungen. Die Stege dürfen beim Ersetzen der Spüllösungen nicht brechen. Previn wird einmal im Jahr, Hexafluorine alle zwei Jahre ausgetauscht. Damit die Luft in der Verpackung frei zirkulieren kann, sollen die Flaschen außerdem nicht flächig aufliegen.

 

Der gesamte Behälter besteht aus einer Bodenplatte, auf der die Heizplatten aufliegen, dem Korpus sowie dem Klappdeckel. Der Klickverschluss zwischen Boden und Korpus ist so konstruiert, dass er die Fugen eng schließt und trotzdem beim Zusammenstecken nicht zum Ausbrechen neigt. Analog ist es beim Steckscharnier, dessen Bestand­teile als Fortsetzung des Korpus und des Deckels ausge­bildet sind. Die Klappbewegung läuft stabil und reibungsarm.

 

Welcher Mechanismus mit welcher Form in welcher Stärke die Funktionalität der Flaschen-Halterung, der Steck­verbindung oder des Deckelscharniers erfüllt – an die Beantwortung dieser Fragen hat sich das Team von Storopack zunächst durch entsprechende Berechnungen und die Konstruktion bzw. Simulation mit einem CAD-Programm angenähert.

 

Es folgten der Musterbau mit der CNC-Fräsmaschine und entsprechende Tests. Bei der Beurteilung der Prototypen kommt es nicht nur auf berechenbare Tatsachen und Material-Kennziffern an, sondern auch auf die Erfahrung aus der Fertigung. Denn letztendlich werden die Gehäuse nicht wie das Muster aus dem Vollen gefräst, sondern im Werkzeug aufgeschäumt. Da Storopack die Verpackung nicht nur konstruiert, sondern auch fertigt, ist diese Kompetenz gegeben.

 

Alle Entscheidungen zur Gestaltung wurden immer wieder daraufhin überprüft, ob sie der Voraussetzung für güns­tige Produktionskosten genügen. Mit einem kleinformatigen Werkzeug kann auf einer Maschine gearbeitet werden, die für besonders wettbewerbsfähige Stückkosten sorgt. Durch „Puzzeln“ und Änderungen im Detail hat es das Team von Storopack erreicht, dass alle Formteile in die Maße dieses Werkzeugtyps passen.

 

Nach Erteilung der nötigen Zertifizierungen hat Prevor die frostgeschützte Spülstation aus EPP seit September 2009 im Angebot. Die Previn-Spülstation ist orange. Als Kennfarbe für die Hexafluorine-Spülstation hat sich die Kennfarbe Schwarz etabliert.

 

Aymeric Laout, die Projektverantwortliche bei Prevor ist hochzufrieden: „Wir waren ziemlich frustriert, nachdem ein anderer Anbieter an unseren Vorgaben gescheitert war. Mit Storopack hat sich das Blatt gewendet wir haben schnell Licht am Ende des Tunnels gesehen. Man spürte die Erfahrung aus ähnlichen Entwicklungsaufgaben. Das Ergeb­nis hat nicht nur uns überzeugt, sondern auch unsere Kunden, denn die Absatzahlen liegen 50 Prozent über unse­ren Erwartungen“. Ein Folgeprojekt ist bereits in der Testphase: dabei wird in den Deckel eine Plexiglasscheibe integriert. Außerdem hat Storopack den Auftrag für einen Behälter aus PPE ohne isolierende Funktion.